Aktuelle Prognose zum Rapserdfloh (KW 36)

In diesem Jahr ist wegen der Nässe viel Raps später in den Boden gekommen. Im August gesäter Raps ist aufgelaufen. Schwer tun sich die Bestände, die nach der Saat noch starke Regenschauer abbekommen haben.

Viele Flächen konnten erst in den letzten Tagen bestellt werden, weil sie noch abtrocknen mussten. Auch auf diesen später gesäten Flächen sind Gelbschalen aufzustellen. Gefährdet durch den Rapserdfloh sind vor allem Schläge, die in der Nähe zu Altraps stehen. Auch auf der Schlagseite, die an Hecken oder an Wald grenzt, sollte eine Gelbschale stehen (Sommerlager der Rapserdflöhe). Kontrollieren Sie regelmäßig – mindestens 2x wöchentlich – die Gelbschalen auf den Zuflug des Rapserdflohs und die jungen Rapspflanzen auf dessen Fraßschäden.

Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen Deutschland
 Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen Deutschland

Der Erdflohbefall ist nicht nur regional, sondern auch von Schlag zu Schlag unterschiedlich. In die bereits aufgelaufenen Bestände hat mit dem Spätsommerwetter der letzten Tage der Zuflug begonnen, regional bereits mit höheren Käferzahlen in den Schalen (z.B. in Brandenburg). Eigene Kontrollen sind unerlässlich! Solange es spätsommerlich weitergeht, bleiben die Bedingungen für Zuflug günstig bis optimal (siehe Karte). Die leichte Abkühlung im zweiten Teil dieser Woche wird die Zuwanderung nur wenig beeinträchtigen, der voraussichtlich herbstlich-kühle Sonntag aber schon.

Erste Fraßaktivitäten des Erdflohs sind ebenfalls beobachtet werden. Besonders anfällig für Fraß sind schwache Bestände (ungleichmäßiger Auflauf, zögerliches Wachstum). Es gilt die Schwelle von 10% zerstörter Blattfläche. Typisch für den Erdfloh ist der siebartige Lochfraß. Bei wüchsigen Beständen sieht es jedoch meistens schlimmer aus als es ist, weil die Löcher „mitwachsen“. Handeln Sie nicht voreilig. Sie verschärfen damit die Resistenzsituation gegen die Pyrethroide, der einzigen verfügbaren Wirkstoffgruppe gegen den Rapserdfloh. Warten Sie mit einer Behandlung auch dann ab, wenn der Fraßschaden zwar unter der Schwelle bleibt, Sie aber innerhalb weniger Tage bereits 50 oder mehr Käfer in der Gelbschale haben sollten: Bei Temperaturen von deutlich über 20 Grad erreichen Sie nur eine unbefriedigende Dauerwirkung von 1-2 Tagen. Bei warmem Wetter wirken die Pyrethroide nämlich nur sehr kurz. Gleichzeitig befindet sich der Rapserdfloh in der Zuflugphase, und neuzufliegende Käfer werden nicht getroffen.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster