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Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Dezember 2020)

Die Preise für Raps in der EU sind derzeit unterbewertet. Terminmarktpreise in Kanada (Jan-Position) stiegen bis zum 17. Dezember auf 615,20 US-Dollar, das höchste Niveau seit sieben Jahren. 

Die anhaltenden großen kanadischen Rapsverkäufe und die steigenden Preise für Pflanzen Öl sind die Hauptgründe für den Anstieg der Terminpreise in Winnipeg um 9 % in den letzten 30 Tagen.

Tägliche Raps- und Canola-Futures in US-$/T
 Tägliche Raps- und Canola-Futures in US-$/T
Im Gegensatz dazu haben sich die Notierungen an der Matif im 4-Wochenvergleich kaum verändert. Der Februar Kontrakt schloss am 17. Dezember bei 413,00 EUR gegenüber 410,25 EUR am 17. November. Diese unterschiedlichen Preisentwicklungen haben die Attraktivität der EU-Einfuhren von kanadischem Raps erheblich verringert. Die Preisprämie an der Matif ist gegenüber Winnipeg auf 21 US-Dollar gefallen, deutlich weniger als 55 US-Dollar vor einem Monat und dem Höchststand von 94 US-Dollar Anfang Juli 2020.

Die aktuellen Preise machen europäische Einfuhren von kanadischem Raps unattraktiv. Stattdessen wird der Verbrauch von im Inland produziertem Raps steigen, was in den kommenden Monaten zu einem schnelleren Rückgang der Lagerbestände und höheren Preisen für Raps in der EU führen wird.

In der Europäischen Union (Anmerkung: noch einschließlich des Vereinigten Königreiches) zeichnet sich in dieser Saison ein weiterer Rückgang der Bestände ab. Aktuelle OIL WORLD Schätzungen deuten darauf hin, dass die Rapsvorräte Ende Dezember aufgrund der kleineren Ernte, geringerer Einfuhren (hauptsächlich aus der Ukraine) und vergleichsweise hohen Verarbeitung um etwa 0,8-0,9 Mio. T zurückgehen werden.

Die europäischen Einfuhren von australischem Raps werden jedoch im Januar/Juni 2021 erheblich ansteigen und die Gesamteinfuhren aus Drittländern in der zweiten Saisonhälfte auf einen neuen Höchststand ansteigen lassen. Wir erwarten in dieser Saison Ankünfte von australischem Raps von 1,9 bis 2,0 Mio. T (gegenüber 0,9 Mio. T im Juli/Juni 2019/20). Dagegen dürften die Importe aus der Ukraine und Kanada unter das Vorjahresniveau fallen.

Die EU-28 hatte in den letzten beiden Kampagnen jeweils etwa 0,6 Mio. T Sonnenblumenöl für die Biodieselproduktion verwendet. Hohe Prämien haben diesen Rohstoff jedoch im Energiesektor ausgepreist. Die europäischen Biodieselhersteller benötigen daher Ende 2020 und vermutlich im Laufe des Jahres 2021 größere Mengen Rapsöl und andere Rohstoffe, um Sonnenblumenöl zu ersetzen. Dies sollte in den kommenden Monaten zusätzlich preisstützend wirken. 

 

ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg