Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Dez. 2019)

Der starke Anstieg der Pflanzenölpreise auf dem Weltmarkt hat in den letzten drei Wochen zu einem signifikanten Anstieg der Rapspreise in Europa geführt. Das drohende Angebotsdefizit hat die Palmölpreise seit Oktober um mehr als 35% ansteigen lassen. Die weltweite Palmölproduktion geht zurück, die Nachfrage steigt weiter und die Lagerbestände werden im Verhältnis zum Verbrauch in dieser Saison auf ein Mehrjahrestief fallen.

Momentan gibt es weiterhin ein Überangebot an Sojabohnen weltweit, allerdings limitiert die schwache Nachfrage nach Sojaschrott die globale Verarbeitung von Sojabohnen und hält damit auch die Sojaölproduktion begrenzt. Die Entwicklungen in China sind bearish für Schrot und bullisch für Öl.

Tägliche Entwicklung der Rapspreise von Mai bis Dezember 2019
 Tägliche Entwicklung der Rapspreise von Mai bis Dezember 2019

Der relative hohe Ölertrag im Raps wirkt daher Preis stützend. Im Folgenden sind einige wichtige Merkmale aufgeführt, die für die künftige Preisent-wicklung auf dem EU-Rapsmarkt eine wichtige Rolle spielen werden:

1) Nachfragerationierung in der EU: Aufgrund des knappen inländischen Rapsangebots wird im Juli/Juni 2019/20 eine Reduzierung des Verbrauchs in der EU von min. 0,9-1,0 Mn T erforderlich sein (Details im OIL WORLD Monthly vom 13. Dezember, www.oilworld.de). Da im ersten Quartal dieser Saison die Verarbeitung von Raps nur geringfügig zurück gegangen ist, wird der größte Teil der Rationierung in Jan/Jun erreicht werde müssen. Dies wird nur durch höhere Preise gelingen.

2) EU Importe: Der starke Produktionsrückgang in diesem Jahr wird die Rapsimporte in 2019/20 auf einen neuen Höchststand von min. 5,4 Mn T (plus 1.1 Mn T) anheben. Einfuhren aus Drittländern werden nach aktuellen Erkenntnissen schon im Jul/Dez einen Rekord von 3,5 Mn T erreichen (vor allem aus der  Ukraine und aus Kanada). Da jedoch in der Schwarzmeer Region nur noch begrenzte Mengen verfügbar sind und die australische Rapsernte in diesem Jahr stark zurückgegangen ist, muss ein relativ großer Teil dieses EU-Importbedarfs von kanadischem Raps gedeckt werden. Da kanadischer Raps fast ausschließlich gentechnisch verändert ist, wird dies wiederum die Verfügbarkeit der Lebensmittelindustrie einschränken.

3) China: Der anhaltende Handelskonflikt zwischen Kanada und China wird  zu einem intensiven Wettbewerb um das, in diesem Jahr stark reduzierte, australische Angebot führen. Berichten zufolge haben chinesische Käufer schon beträchtliche Mengen australischen Raps gekauft. Dies wird die möglichen Importe in der EU weiter reduzieren.

Wir gehen daher davon aus, dass die Preise für Raps in der EU weiterhin jenseits der 400 EUR liegen werden und wahrscheinlich 420 EUR erreichen oder überschreiten. Dies wird durch die steigenden Preise für Palmöl und Sojaöl auf dem Weltmarkt unterstützt. Erste Erkenntnisse zur Winterraps-Aussaat geben wenig Hoffnung auf eine signifikante Erholung in 2020, was zusätzlich preisstützend wirken wird und möglicherweise die Vermarktung der Landwirte limitiert.

 

 

OIL WORLD (ISTA Mielke GmbH, Hamburg)