Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Apr. 2020)

Das Ausmaß des Nachfrageeinbruchs nach Rapsöl drückt weiterhin die EU-Rapspreise, trotz der sich verschlechternden Ernteaussichten. Jüngsten Schätzungen der OIL WORLD zufolge wird die Verarbeitung in der EU in April/Juni 2020 um mindestens 0,9 Mio. T oder mehr als 15 % auf nur noch rund 4,6 Mio. T einbrechen, der niedrigste Stand seit zwölf Jahren.

Vierteljährl. EU Rapsverarbeitung (Mn T)
 Vierteljährl. EU Rapsverarbeitung (Mn T)

Der drastische Rückgang der Nachfrage nach Dieselkraftstoff dämpft den Bedarf an Rapsöl der europäischen Biodiesel Industrie. Die europäischen Ölmühlen haben ihre Produktionsmengen teilweise angepasst und damit den Rückgang im laufenden Quartal gegenüber dem Vorjahr verstärkt. Angesichts des signifikanten Abwärtstrends der Nachfrage sind die europäischen Rapsölvorräte derzeit noch recht groß, und es bleibt abzuwarten, ob zusätzliche Verkäufe in den Exportmarkt möglich werden.

Die europäischen Rapsölpreise sind im Vergleich zu Sojaöl immer noch relativ hoch, allerdings wird der momentane Überschuss nicht aggressiv vermarktet. Die Produzenten erhöhen stattdessen momentan ihre Lagerbestände in der Hoffnung höhere Preise in der 2020/21 Vermarktungsperiode erzielen zu können. Momentane Schätzungen prognostizieren einen Rückgang im EU-Rapsölverbrauch um 0,7 Mio. T in Okt/Sept 2019/20.

Ausblick 2020/2021: Stellenweiser Frost und unterdurchschnittlichen Niederschlägen in den wichtigsten Erzeugerregionen haben die Ertragsaussichten in der EU deutlich reduziert. Vor allem Frankreich ist von extrem trockenen Wetterbedingungen betroffen, aber auch in Teilen Deutschlands, Polens, Ungarns und Rumäniens ist die Bodenfeuchtigkeit auf ein kritisches Niveau gefallen.

Im Gegensatz zu der prognostizierten Erholung noch vor einem Monat gehen wir nun davon aus, dass die Rapsproduktion in der EU im Jahr 2020 um 0,3 Mio. T auf ein 14-Jahres-Tief von 16,7 Mio. T zurückgehen wird. In Anbetracht des weiteren Rückgangs der Winterrapsaussaatfläche, entspricht dies immer noch eine Steigerung des Durchschnittsertrags um 2-3%.

Wir haben unsere Schätzung für die französische Ernte in diesem Jahr um 0,5 Mio. T auf 3,6 Mio. T gesenkt. Hierbei berücksichtigen wir die offizielle Flächenschätzung von 1,1 Mio. ha und einen Ertrag von 3,36 T/ha (gegenüber 3,14 T/ha im Jahr 2019). Sollten sich jedoch Berichte über Flächenverluste bestätigen und Niederschlag weiterhin ausbleiben, könnte die diesjährige Ernte noch kleiner ausfallen. 

Auch in Deutschland haben sich die Erntebedingungen in den letzten Wochen verschlechtert. Genügend Niederschläge bis etwa Mitte März und sehr wenig Krankheitsbefall hatten bei den deutschen Rapsbauern noch für Optimismus gesorgt, dass sich die Erträge in diesem Jahr 3,8-4,0 T/ha annähern könnten. Allerdings dürften relativ späte Nachtfröste von teilweise minus 7/8 Grad Celsius sowie ungewöhnlich trockene und warme Bedingungen den Anstieg des Durchschnittsertrags in diesem Jahr auf 3,5-3,6 T/ha bremsen und die deutsche Rapsproduktion auf rund 3,1 Mio. T (gegenüber 2,8 Mio. T im Jahr 2019) begrenzen.

Der Übergang von der momentan schlechten Nachfrage nach Rapsöl hin zu anhaltend knappen Angebot von Saat in der Saison 2020/21 wird die Preise für Raps in der EU in den kommenden Monaten bestimmen. Auch die ukrainische Rapsproduktion dürfte in diesem Jahr niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet, wodurch die Versorgung der europäischen Ölmühlen an non-GM Raps auf dem Weltmarkt begrenzt wird. Es bleibt abzuwarten wie sich das Exportangebot aus Kanada und Australien entwickeln wird.

 

27.04.2020, ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg