Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Oktober 2021)

Die europäischen Rapspreise stiegen in der letzten Septemberwoche weiter an und erreichten am 30. September in Nordeuropa einen neuen Höchststand von 656 €, ein Anstieg von 4,5% gegenüber der Woche und deutlich über dem Niveau von rund 380-390 € ein Jahr zuvor.

Die Durchschnittspreise stiegen im September um 8% gegenüber dem Vormonat auf einen Rekordwert von 602 € und lagen damit 20-30 € über dem Niveau vom Mai, als ungewöhnlich knappe Lagerbestände in der EU mit einem starken Rückgang der Ankünfte von kanadischem Raps zusammenfielen.    

Die bullischen Fundamentaldaten des Rapsmarktes überwiegen derzeit die preisdrückenden äußeren Faktoren, insbesondere die erwartete Erholung der weltweiten Versorgung mit Pflanzenölen (hauptsächlich Palm- und Sonnenblumenöl), wobei die Preise für Raps- und Rapsöl kurz- bis mittelfristig gut unterstützt und mit beträchtlichen Prämien gegenüber anderen Ölsaaten und Pflanzenölen gehandelt werden sollten.

Wöchentliche Preise von zwei Ölsaaten
 Wöchentliche Preise von zwei Ölsaaten

Die unabhängige Festigkeit der EU-Rapspreise spiegelt sich auch in der Ausweitung der Prämie gegenüber US-Sojabohnen in Rotterdam auf 153 US-$ im September wider, dem höchsten Stand seit mehr als 10 Jahren. Dies steht im Vergleich zu Rabatten von US-$ 10-45, die im Nov/Feb 2020/21 registriert wurden.

Obwohl die inländische Produktion etwas größer ist als ursprünglich erwartet, müssen die europäischen Mühlen in dieser Saison immer noch mindestens 5,0-5,5 Mio. T Raps auf dem Weltmarkt kaufen, was kurz- bis mittelfristig beträchtliche Preisaufschläge erfordert. Interessant ist, dass auch Länder wie Pakistan, Japan und die VAE in den letzten Monaten trotz des deutlichen Preisanstiegs weiterhin relativ große Mengen an Raps importiert haben.

Rapspreise werden derzeit auch von den stark ansteigenden Rapsölwerten gestützt. Die Knappheit im Rapsöl wird durch ungewöhnlich niedrige kanadische Rapsölerträge in 2021/22 verstärkt. Die Marktteilnehmer werden die offiziellen Öl Produktionsdaten für September und Oktober genau analysieren, um Hinweise auf die Auswirkungen der diesjährigen starken Hitze und Trockenheit auf den durchschnittlichen Ölgehalt der kanadischen Rapsernte 2021 zu erhalten.

Vorläufige Daten, die von der Grain Commission veröffentlicht wurden, deuten auf einen Rückgang des durchschnittlichen Ölgehalts der diesjährigen Rapsernte um 2,7 Punkte auf geschätzte 41,4% hin. Unter Berücksichtigung unserer aktuellen kanadischen Verarbeitungsschätzung von rund 8,6 Mio. T im August/Juli 2021/22 (ein Rückgang 1,8 Mio. T gegenüber dem Vorjahr) würde ein Rückgang dieser Größenordnung die kanadische Rapsölproduktion zusätzlich um 220-240 Thd. T reduzieren.

 

 

ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg