Aktuelle Marktentwicklung im Raps (März 2020)

Der unerwartet starke Einbruch der Mineralölpreise auf den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren hat auch die Preise von Rapssaat und Rapsöl außerordentlich stark reduziert. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Preise für Raps in der EU kurz- bis mittelfristig erholen werden, vor allem für neuerntige Termine, basierend auf folgendem Szenario:

Auch für die Saison 2020/21 erwarten wir eine weiter knappe Versorgungslage in der EU, nachdem die Aussaat im Herbst niedriger ausgefallen ist als ursprünglich erwartet. Außerdem werden die Lagerbestände Ende Juni ungewöhnlich niedrig sein. Dies erfordert weiterhin große Importe von Rapssaat aus Drittländern. Die jüngste Schwäche der Rapspreise hat jedoch die Prämie an der MATIF vis-a-vis Canola Futures in Winnipeg deutlich reduziert und die Margen der Verarbeitung von GMO Raps in Europa verringert.

Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Nachfrage nach Rapsöl in der EU (besonders für Biodiesel) wird einer der wichtigsten Faktoren für die Preisentwicklung in den kommenden Wochen und Monaten bleiben. Während pflanzliche Öle dem bärischen Einfluss der Energiepreise bisher vollständig ausgesetzt sind, wurden die Schrotpreise aufgrund der voraussichtlichen Lieferengpässe gestützt. In Europa wird der Verbrauch von Diesel im März und April stark zurückgehen. Der starke Preisrückgang bei Raps und Rapsöl in der Woche bis zum 19. März um 10 % bzw. 7 % ist vor allem auf die reduzierte Nachfrage der Biodieselhersteller zurückzuführen. In der EU-28 wurden in den letzten Jahren etwa 57 % des Rapsölverbrauchs auf dem Biodieselmarkt verwendet.

EU-28: Länder, Erträge und Produktion
 EU-28: Länder, Erträge und Produktion

Die Rapsproduktion in der EU dürfte dieses Jahr geringer ausfallen als bisher erwartet. Während sich die verbesserte Bodenfeuchtigkeit positiv auf die Durchschnittserträge in den großen Erzeugerländern (hauptsächlich Deutschland) auswirken sollte, waren die tatsächlichen Aussaaten von Winterraps offenbar kleiner als ursprünglich erwartet (besonders in Großbritannien).

Wir halten es für wahrscheinlich, dass die Rapsfläche in der EU sogar geringfügig von dem bereits niedrigen Niveau des letzten Jahres auf etwa 5,4 Mio. ha (minus 0,1 Mio. ha) zurückgegangen ist. Damit dürfte sich die Erholung der Rapserzeugung in der EU in diesem Jahr auf nur noch etwa 0,3 Mio. T beschränken, was bereits einen Anstieg des Durch-schnittsertrags um 4 % auf 3,21 T/ha berücksichtigt. Wir haben unsere Ernteschätzung um etwa 0,4 Mio. T auf 17,3 Mio. T reduziert, 4,4 Mio. T oder 20 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt bis 2018.

Die Auswirkungen der kleiner als erwarteten Rapsproduktion werden durch sehr geringe Lagerbestände noch verstärkt. Aber es gibt noch viele Unsicherheiten, darunter:                                           

1) Nachfrage nach Biodiesel:  Welche Auswirkungen wird der voraussichtliche Rückgang des Biodieselverbrauchs in der EU im März/Juni, als Folge von Ausgangsbeschränkungen in ganz Europa, auf die Nachfrage nach Rapsöl haben?

2) Verarbeitung: Eine geringere Nachfrage aus dem Energiesektor wird die Rapsverarbeitung in den kommenden Wochen zusätzlich drosseln. Wir gehen bereits von einem Rückgang um 0,5 Mio. T im Januar/Juni 2020 aus. Eine geringere Ölnachfrage sowie logistische Zwänge, z.B. die Verfügbarkeit von Lastkraftwagen für den Transport von Saatgut und/oder erzwungene Stilllegungen, können die Verarbeitung von Raps in der EU in den kommenden Wochen zusätzlich eindämmen.                                                                             

3) Importe von kanadischem Raps:  Die tatsächlichen EU-Einfuhren von kanadischem Raps (ausschließlich GV) könnten angesichts der Beschränkungen in der Verwendung des Rapsöls außerhalb der Biodieselindustrie unter die Erwartungen fallen. Die Attraktivität von Einfuhren hat in der Woche bis zum 19. März einen schweren Schlag erlitten: Die Prämie von Raps über Canola in Winnipeg (Mai-Positionen) ist auf 58 US-Dollar pro Tonne (gegenüber 82 am 11. März). Dies gilt auch für neuerntige Termine, was die Vorverkäufe für die nächste Saison vorerst limitiert.

 

23.03.2020, ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg