Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Juni 2020)

Das in 2020/21 erwartete Produktionsdefizit dürfte die EU-Rapspreise weiter stützen. Preise an der Matif (August) haben sich bereits deutlich von dem Tief von 341 Euro am 16. März auf 379 Euro am 8. Juni erholt. In den kommenden Wochen und Monaten werden jedoch zusätzliche Preiserhöhungen erforderlich sein, um a) die Verkaufsbereitschaft von Landwirten zu erhöhen und b) die Prämie hoch genug zu halten, um ausreichende Einfuhren aus Drittländern zu gewährleisten. Das Ausmaß des Preisanstiegs wird mittelfristig durch die Nachfrage nach Rapsöl, vor allem aus der Biodieselindustrie, bestimmt.

EU-28: Rapssaat & Canola Importe
 EU-28: Rapssaat & Canola Importe

OIL WORLD Schätzungen prognostizieren eine EU-Rapsernte von nur 16,5 Mio. T in 2020, ein 14-Jahres-Tief und 7,8 Mio. T unter dem Rekordwert von 24,3 Mio. T im Jahr 2014. Andere Marktbeobachter sind jedoch noch pessimistischer und beziffern die diesjährige Ernte auf nur rund 16 Mio. T.

Eine deutlich kleinere Aussaatfläche wird die Rapsernte im Vereinigten Königreich in diesem Jahr auf nur noch 1,1 Mio. T verringern, was einem Rückgang um 0,6 Mio. T gegenüber 2019 entspricht und dem niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren. Weitere Rückgänge werden in Rumänien und Bulgarien erwartet, während die Produktion in Frankreich bestenfalls bei 3,4-3,5 Mio. T stagniert.

Der weitere Rückgang der Rapsproduktion wird es erforderlich machen, dass in 2020/21 etwas mehr als ein Viertel der von der Industrie benötigten Rapsmenge importiert werden muss. Wir erwarten einen Anstieg der Importe auf fast 6 Mio. T in der nächsten Saison. Allerdings wird ein deutlich geringeres Angebot in der Ukraine  – angesichts des voraussichtlichen Produktionsrückgangs um mindestens 0,5 Mio. T im Jahr 2020 – und knappe Bestände in Australien bis Dezember oder Januar (je nach Zeitpunkt der diesjährigen Ernte), einen beträchtlichen Anstieg der Einfuhren von kanadischem Raps im Juli/Dez. 2020 erfordern.

Doch selbst unter der Annahme von Rekordeinfuhren und einer starken Reduzierung der EU-Rapsbestände auf ein Mehrjahrestief von 0,9 Mio. T, wird die Verarbeitung von Raps in der kommenden Saison um etwa 0,5 Mio. T auf 22,1 Mio. T fallen, was eine weitere Verknappung von Rapsöl im Jahr 2020/21 bedeutet.

Die Rapsölpreise in Europa dürften auch in den kommenden Monaten weiter steigen und die beträchtlichen Prämien gegenüber anderen pflanzlichen Ölen behalten. Im Okt./Apr. stieg die Prämie für Rapsöl auf ein Mehrjahreshoch von 100 US-Dollar gegenüber Sojaöl in Rotterdam, auf 110-120 US-Dollar gegenüber Sonnenblumenöl und auf 190 US-Dollar gegenüber Palmöl.

Der sich abzeichnende weitere Abwärtstrend bei der Rapsproduktion in der EU in diesem Jahr und nur wenig Spielraum für einen Anstieg der Einfuhren aus Drittländern dürften 2020/21 eine zusätzliche Rationierung der Nachfrage erforderlich machen.

 

 

15.06.2020, ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg