Rapsernte 2019 mit heterogenen Erträgen

Dass Dürre geschädigte Bestände bescheidende Erträge liefern, war zu erwarten. 

Mit fortschreitender Rapsernte wird aber auch insgesamt ein Ertragstrend erkennbar. So liegen „normale“ Praxiserträge oft zwischen 35 und 43 dt/ha. Diesen Trend spiegelt auch das Rapool Erntemonitoring mit einem Durchschnittsertrag von 38,5 dt/ha (n=177, 31.07.2019) wider. Vom Ergebnis eine gut durchschnittliche

 Rapsernte und klar besser als in den vergangenen 2 Jahren. Dennoch sind einige Anbauer unzufrieden, denn die Rapsbestände sahen optisch nach mehr aus. Gefühlt fehlen einige dt/ha Ertrag. Woran hat es gelegen? 

War es die Trockenheit?

Die einfachste Lösung ist es, dem Wetter die Schuld zu geben. Immerhin haben weite Teile Deutschlands unter ständiger Dürre gelitten. Doch auch in Regionen mit relativ guter Wasserversorgung (z.B. in der Marsch) werden von Top – Rapsbeständen „nur“ Erträge zwischen 40 und 45 dt/ha erreicht.

Waren es Krankheiten und Schädlinge?

Bei den Krankheiten spielten Phoma, Sclerotinia und Kohlhernie fast keine Rolle, lediglich ein mittlerer bis starker Verticillium Befall wird jetzt nach der Ernte verbreitet an den Stoppeln sichtbar. Doch auch Bestände mit grünen Stoppeln haben ertraglich nur 1-2 dt/ha mehr geerntet - ähnliches Bild beim Schädlingsbefall. Natürlich haben Erdfloh, Stängelrüssler, Rapsglanzkäfer & Co. den Ertrag bei Starkbefall kräftig reduziert. Doch auch ohne Schädlingsdruck war meist bei Anfang 40 einfach Schluss.

Es war die Hitze

Noch bis vor wenigen Wochen wurde in sämtlichen Marktanalysen immer wieder von einer Rekord-Rapsernte in der Ukraine berichtet - doch die ist ausgeblieben. Neben schwachen Erträgen wird dort immer wieder von ebenfalls schwachen Ölgehalten berichtet. Indiz dafür, dass die Ertragsbildung zum Ende hin abrupt unterbrochen wurde. Auch in Deutschland liegen die Ölgehalte auf einem geringeren Niveau als in den Vorjahren, wobei die kühleren Marsch- und Insellagen neben guten Erträgen auch normale Ölgehalte zeigen.

Ende Juli wurden vielerorts neue Hitzerekorde aufgestellt, doch die Schädigung der Rapsbestände hat bereits bei der vorangegangenen Hitzewelle Ende Juni stattgefunden. Auch da wurden schon verbreitet Temperaturen von weit über 30°C erreicht, die bei praller Sonne ohne Wind über den Schoten noch wesentlich höher lagen. Wahrscheinlich wurden bereits zu diesem Zeitpunkt die Versorgungsleitbahnen zu den Schoten irreversibel geschädigt. So wird übereinstimmend von trockenen Schoten und geringen Kornfeuchten berichtet, während die Stängel teils noch grasgrün und schwer zu dreschen sind. Lediglich unten im Schatten sind noch unreife „Gummischoten“ zu finden. So lässt sich auch erklären, warum optisch gute, gesunde, grüne Bestände ihre Kraft nicht in Mehr-Ertrag umsetzen konnten.

Ein weiterer Trend im Sortenspektrum der Versuche bestätigt diese Vermutung. Sorten mit früher Abreife dreschen tendenziell besser, relativ unabhängig von Pflanzenlänge, Standfestigkeit, Gesundheit oder BSA-Ertragseinstufung. Beste Beispiele sind der „alte“ AVATAR oder auch PUZZLE. Etwas später abreifende und auch gesunde Sorten konnten ihr Potenzial hingegen nicht ausspielen, da sie im Vergleich zu frühreifen Sorten durch die Hitze zu einem früheren Stadium in der Ertragsbildung abgeklemmt wurden. Schaut man sich dieselben Genotypen z.B. in Frankreich an, so ergibt sich dort eine andere Sortenrangfolge. Denn dort erfolgte die Abreife 10-14 Tage früher, die Hitzewelle hatte aber nur 1-2 Tage Vorlauf. Entsprechend konnten dort die später reifenden Typen ihre Ertragsstärken ausspielen.

Fazit: Die Rapsernte fällt in dürregeschädigten Regionen Deutschlands erneut schlecht aus. Schaut man aber auf ganz Deutschland, so wird 2019 immerhin ein mittlerer bis leicht überdurchschnittlicher Rapsertrag erreicht. Die Hoffnung auf bessere Erträge wurde trotz vieler, optisch guter Rapsbestände teilweise vom Schädlingsdruck, vor allem aber von der Hitzewelle Ende Juni zunichte gemacht. Dies zeigt sich nicht nur im Raps, sondern auch im Weizen, während die Gerste durch ihre frühere Abreife mit der Ertragsbildung schon weitgehend durch war.

Eine echte Absicherung oder ein Patentrezept gegen Naturereignisse gibt es nicht (ob und wann sie auftreten, ist Stand heute völlig unmöglich vorherzusagen). Landwirte können nur versuchen, bereits mit der Aussaat die besten Bestände hinzustellen. Bei der Sortenentscheidung sollten diesjährige Wetterverzerrungen nicht überbewertet werden – das nächste Jahr wird sicher anders als man denkt. Vielmehr kommt es bei der Sortenwahl auf Praxiserfahrungen bewährter Sorten an. Neue Sorten bieten zudem Zuchtfortschritt in Robustheit und Gesundheit. Ein gesunder Mix aus Jung und Alt sorgt insgesamt für mehr Anbausicherheit.

Noch Wünsche offen? – Ja: Bessere Rapspreise und genügend Niederschlag für die Rapsaussaat.

 

01.08.2019     Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL RING GmbH

 



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