Den Start der Pflanzen mit Beizung sichern!

Saatgutbeizung schützt die junge Pflanze vor Krankheiten und Schadtieren, kann aber auch die Pflanze selbst stärken und ihr Wachstum fördern. Etablierte chemische Wirkstoffe stehen 2019 letztmalig zur Verfügung. Rapsspezialist Rainer Kahl erläutert mögliche Beizstrategien für die Aussaat 2019 und bringt auch chemiefreie Beizen ins Rennen.

Die Saatgutbehandlung wird in Deutschland ausschließlich in eigens dafür zertifizierten professionellen Beizanlagen durchgeführt. Alle deutschen Beizstellen werden dabei regelmäßig durch die SeedGuard GmbH auditiert und zertifiziert. Seit 2008 wird für die Messung von Beizstäuben der Heubachtest verwendet, die Beizqualität konnte seitdem in Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden weiter verbessert und der Staubabrieb auf ein Minimum reduziert wer

den. So beträgt der amtliche Referenzwert für Raps derzeit 0,5 Gramm Abrieb per 700.000 Körner. Das entspricht bei einer Saatstärke von 40 Körnern/m² einer maximal zulässigen Staubabriebmenge von weniger als 0,3 Gramm per Hektar. Und die im Staub enthaltene Wirkstoffmenge liegt noch wesentlich darunter. Möglich wird dies mit einem speziellen Kleber, der die Oberfläche des Saatkorns noch glatter macht und die Abriebfestigkeit erhöht. Mit modernsten Saatgut-Beizverfahren lassen sich Wirkstoffe besonders gezielt ausbringen und Effekte auf Nichtzielorganismen minimieren. Die Rapsbeizung ist daher ein wichtiger Baustein des integrierten Rapsanbaus.

2019 letztmalig vollen fungiziden Beizschutz mit TMTD + DMM nutzen

Die Saatgutbehandlung mit TMTD + DMM hat sich in den letzten Jahren als fungizider Beizstandard etabliert, allerdings läuft die Zulassung von TMTD leider aus. TMTD schützt in erster Linie vor dem Komplex der Auflaufkrankheiten (Wurzelbrand), zu dem als Auslöser verschiedene Fusariosen und auch Pythium gehören. Es sichert den Feldaufgang ab, verringert frühzeitige Keimpflanzenverluste und ermöglicht so ein besseres Erreichen der gewünschten Zielpflanzenanzahl.

 

Der Wirkstoff Dimethomorph (DMM) stimuliert neben seiner fungiziden Wirkung auf Falschen Mehltau zugleich das Keimblattwachstum des Rapses. Die Keimblätter sind größer und bleiben deutlich länger aktiv. Sie leisten gerade in der frühen Jugendphase einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur raschen Etablierung einer kräftigen, widerstandsfähigen Jungpflanze. Die Stärken von DMM zeigen sich insbesondere bei starkem Druck von Falschem Mehltau sowie unter Stressbedingungen (Spätsaat, Kälte, Nässe, Mulchsaaten, Herbizidstress usw.).

 

Beide Wirkstoffe ergänzen sich ideal und bieten den breitesten und stärksten verfügbaren fungiziden Beizschutz.

Die fungizide Beizkombination TMTD + DMM kann durch das Präparat WURZEL-PLUS ergänzt werden. WURZEL-PLUS bringt wichtige Haupt- und Spurennährstoffe mit ein, sodass die Jugendentwicklung des Rapses besonders unter Stressbedingungen unterstützt werden. Gleichzeitig werden Keimung, Wurzelwachstum und -entwicklung gefördert. Dieser Effekt stellt sich insbesondere nach dem Verbrauch der Nährstoffreserven im Rapssamen ca. 14 Tage nach der Aussaat ein.

Geeignet für

• 3- bis 5-jährige Fruchtfolgen

• Mulchsaaten, Nässe

• Mittlere und späte Saat

 

Lumiposa® mit besonderer Stärke gegen Kohlfliegen

Der insektizide Wirkstoff Cyantraniliprole gehört chemisch zur Klasse der Diamide. Durch die bisher fehlende Zulassung in Deutschland wird die Saatgutbehandlung mit Lumiposa® voraussichtlich wie im Vorjahr wieder in Polen erfolgen, wo das Produkt eine Zulassung besitzt. In Deutschland erfolgt dann die finale Behandlung mit DMM, welches wiederum in Polen nicht zugelassen ist. Für die Rapsaussaat 2019 steht trotz dieser logistischen Herausforderungen genügend Lumiposa® für den deutschen Markt zur Verfügung. Die maximal zugelassene Aussaatstärke beträgt 500.000 Körner/ha oder 50 Körner pro m2.

 

Lumiposa® wirkt speziell gegen die Larven der Kleinen Kohlfliege, d. h. es kommt zu einer Fraßminderung. Dabei erreicht Lumiposa® sowohl eine Reduzierung der Befallshäufigkeit als auch der Befallsstärke (Ausprägung des Wurzelschadens). Eine Nebenwirkung gegen Rapserdfloh ist nach eigenen Erfahrungen nur im frühen Auflauf und bei feuchtem Boden zu erwarten. Andere Schaderreger, wie z. B. Läuse, Kohlmotte werden nicht erfasst, Ausnahme ist jedoch die Fraßminderung der Rübsenblattwespe (je nach Wachstumsstadium des Rapses). Durch den Kohlfliegenschutz werden frühere Aussaaten mit Lumiposa® wieder möglich. In vielen Versuchen und Praxisschlägen zeigte sich im Herbst 2018 zudem eine erhöhte Wüchsigkeit der mit Lumiposa® bestellten Flächen, sodass auch spätere Saattermine von der Lumiposa® Beizausstattung profitieren.

Geeignet für:

• Enge Fruchtfolgen

• Geringere Saatstärken

• Bekannt hoher Kohlfliegendruck

• Alle Saattermine

Auch Beizmittel ohne Chemie können eine Option sein

Gerade mit Blick auf die Aussaat 2020, bei der bekannte Standardbeizen nicht mehr zur Verfügung stehen, sollte man sich mit der Option „chemiefreier“ Beizmittel auseinandersetzen und diese ggf. auch 2019 schon auf Teilflächen ausprobieren.

 

Erstmalig steht 2019 für den Biologischen und Integrierten Rapsanbau das Saatgutbehandlungsmittel WURZEL-PLUS Natur zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um die wuchsfördernden Nährstoffkomponenten der WURZEL-PLUS Saatgutbehandlung, die zusätzlich mit einem Bazillus als Bodenhilfsstoff geimpft sind. Die Bakterien besiedeln die Wurzeloberfläche und legen einen biologischen „Schutzfilm“ um die Wurzelhaare; ein natürlicher und sehr positiver Effekt. In mehrjährigen Prüfungen wurde diese Bazillus Kombination gefunden, welche die Nährstoffaneignung der Pflanze durch Ausscheiden von Auxinen und Enzymen stimuliert. Hinzu kommen eine verbesserte Toleranz gegen abiotischen Stress (z. B. Trockenheit, Hitze, Nässe, Kälte) und eine bessere Regeneration. Insgesamt konnten positive Wachstumseffekte in Feldaufgang und Jugendentwicklung beobachtet werden. Ein zusätzlicher Vorteil: Die Komponenten von WURZEL-PLUS Natur sind nach FIBL zertifiziert und erfüllen die Vorschriften der EG-Ökoverordnung.

Geeignet für:

• Weite Fruchtfolgen

• Biologische und Integrierte Rapsanbauverfahren

• Milde Böden

• Mittlere Saattermine

RAPOOL-RING

 

 

 

 

 

 

Quelle: RAPOOL-RING

 

 

 

Quelle: Rainer Kahl, Norddeutsche Pflanzenzucht