Ab wann steigt der Rapspreis?

RAPOOL-Fachtagungen im Januar und Februar 2019 – Kurzfassung der Vorträge von Thomas Mielke & David Mielke, Weltmarktforschungsbüro ISTA Mielke GmbH, 21077 Hamburg, Langenberg 25, Tel.: 040 761050-21 -- www.oilworld.biz

Auch im Jahr 2019 gibt es viele Unwägbarkeiten, die Einfluss auf die Preise von Rapssaat haben werden. Deswegen sind alle heutigen Prognosen mit Vorsicht zu genießen und entsprechend anzupassen, wenn es größere Änderungen im Vergleich zu den heutigen Annahmen gibt. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte hängen nicht nur von der Angebots- und Nachfragesituation sondern auch von politischen Faktoren, von den Finanzmärkten, dem Wetter und – vor allem – den Erwartungen der Marktteilnehmer ab.

Raps

Der Rapspreis in Europa hat sich zurzeit vom Weltmarkt abgekoppelt. Mitte Januar 2019 lagen die Rapspreise in Deutschland etwa 8-9% über dem Vorjahr (in Euro). Demgegenüber lagen die Preise von Sonnenblumensaat und Sojabohnen unter dem Vorjahreswert. Dasselbe gilt für Rapsöl, welches außergewöhnliche Preisprämien gegenüber anderen Ölen und Fetten bildete. Die Landwirte haben ihren Raps nur relativ zögerlich verkauft, die Verarbeitung ging zurück und die Biodieselindustrie hatte, auch wegen des Niedrigwassers, Probleme in diesem Winter ihren Bedarf an Rapsöl zu decken. Dies führte zu hohen Preisprämien nicht nur bei Rapsöl sondern auch bei Rapsmethylester. Allerdings stiegen durch die relativ hohen Preise auch die Importe von Rapssaat, insbesondere aus Osteuropa. Für das Quartal April/Juni 2019 rechne ich mit einem Rückgang der Rapspreise. Die Biodieselindustrie wird nach Ende des Winters verstärkt auf preiswertere Pflanzenöle (wie Palmöl und Sojaöl) zurückgreifen und der Rapsölverbrauch zurückgehen. Falls die Landwirte weiterhin nur zögerlich ihren alterntigen Raps verkaufen, würde das den Preisrückgang von Rapssaat und Rapsöl abschwächen, aber gleichzeitig zu höheren Rapsvorräten Ende Juni 2019 führen und dadurch einen preisdämpfenden Effekt im Quartal Juli/Sept 2019 ausüben.

Die Rapsernte 2019 wird auf ein 8-Jahrestief fallen und nur ca. 18,7 Mio. T oder sogar etwas weniger betragen, im Vergleich zur bereits schlechten Ernte von 19,6 Mio. T in 2018 und 21,9 Mio. T in 2017. Für Deutschland rechnen wir mit einer Erntemenge von nur 3,0 Mio. T in 2019 (im Vergleich zu 3,7 und 4,3) und für Frankreich mit nur 4,2 Mio. T (4,9 und 5,3 Mio. T in den beiden Vorjahren). Die schlechte Ernte wird einen stabilisierenden Einfluß auf den Rapspreis haben, obwohl relative hohe Übergangsbestände und voraussichtliche Rekordimporte von ukrainischer Rapssaat negativ auf den Preis wirken werden.

Weltmarkteinflüsse

Die entscheidenden Impulse für den Rapspreis kommen vom Weltmarkt. Lassen Sie mich einige wesentliche Szenarien und wahrscheinliche Entwicklungen in Kürze darstellen. Weitere Details finden Sie unter www.oilworld.de und in unseren wöchentlichen und monatlichen Publikationen. Sie können sich auch gerne direkt mit Anfragen an das OIL WORLD Team wenden unter info@oilworld.de oder 040-7610500.

Der Weltmarkt für Öle und Fette ist im Umbruch. Die Nachfrage wächst zurzeit ungewöhnlich stark, insbesondere im Bioenergiesektor, aber auch im Nahrungsmittelbereich. Die Regierungen in Indonesien, Malaysia, Brasilien und anderen Ländern haben die Mandate für die Beimischung von Biodiesel für 2019 weiter erhöht. Die Weltproduktion von Biodiesel wird nach unseren Schätzungen um 4,0 Mio. T auf 44,3 Mio. T in 2019 ansteigen.

Gleichzeitig geht das Wachstum der Produktion aller Öle und Fette zurück. Im Kalenderjahr 2018 überstieg noch die Produktion aller 17 Öle & Fette den weltweiten Verbrauch um 2,3 Mio. T. Dadurch erhöhten sich die globalen Vorräte entsprechend und deshalb kamen die Pflanzenölpreise unter Druck. Für das Jahr 2019 zeigt die neueste Ölweltprognose ein Produktionsdefizit. Von Januar bis September 2019 wird die Nachfrage die Produktion um etwa 1,8 Mio. T übersteigen, die Vorräte entsprechend fallen. Bereits im Januar/März 2019 ist mit einem Produktionsdefizit zu rechnen. Deswegen haben sich die Preise für Palmöl und Sojaöl in den letzten 6-7 Wochen schon deutlich erhöht. Es ist mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen. Allerdings werden diese Preissteigerungen relative moderat ausfallen solange die Vorräte (wie zurzeit) noch relativ hoch sind.

Bei Palmöl rechnen wir mit einem Produktionsdefizit von ca. 1,0 Mio. T im Jan/Sept 2019. Es gibt eine Reihe von Problemen in Malaysia und Indonesien, die zu einer Abschwächung der Palmölproduktion im Kalenderjahr 2019 und auch in 2020 führen werden. Bei fallenden Vorräten werden die Preise von Pflanzenölen in 2019 steigen. Diese Tendenz wird sich meiner Meinung nach auch im Kalenderjahr 2020 fortsetzen. Dadurch ergeben sich verbesserte Aussichten für die Rapsvermarktung. Im Moment sind die Preise für Raps relativ gut. Das könnte die Verkaufsbereitschaft der Rapsproduzenten kurzfristig erhöhen. Aber ich sehe die Möglichkeit eines Preisrückgangs im April/Juni 2019. Außerdem rechne ich mit etwas Preisdruck während der Ernte im Juli und vielleicht im August, auch wenn die Ernte in diesem Jahr sehr klein ausfallen wird. Ich halte es allerdings für möglich, dass sich ab September oder Oktober 2019 verbesserte Verkaufsmöglichkeiten für den europäischen Raps ergeben. Die Preisaussichten sollten sich weiter verbessern im Jahr 2020. Dies basiert auf der Annahme von weiter steigenden Palmölpreisen im Jahr 2020.

Bei Sojabohnen gibt es aus heutiger Sicht immer noch eine Überschusssituation, selbst wenn wir von witterungsbedingten Ernteschäden von ca. 6-8 Mio. T in Südamerika in diesem Jahr ausgehen. Es gab bisher große trockenheitsbedingte Schäden in einigen wichtigen zentralen und nördlichen Sojaanbaugebieten Brasiliens und Schäden durch zu viel Regen im Süden Brasiliens und in einigen wichtigen Anbaugebieten von Argentinien. Trotzdem sehen wir bei Sojabohnen in dieser Saison immer noch einen globalen Produktionsüberschuss von 10-11 Mio. T und Rekordvorräte im September 2019. In China geht der Sojaschrotverbrauch deutlich zurück – in dieser Saison möglicherweise um 3-4 Mio. T. Dies ist eine Folge des Handelskrieges mit den USA und Maßnahmen der Regierung. Die Schweinebestände in China liegen unter Vorjahr. Das chinesische Importvolumen für Sojabohnen wird möglicherweise um 5-6 Mio. T zurückgehen. Dadurch steigt auch der Weltverbrauch von Sojabohnen und –schrot deutlich schwächer als in den vergangenen zwei Jahren. Die Überschusssituation in Sojabohnen bremst den Preisanstieg von Palmöl und anderen Pflanzenölen, und damit auch von Rapssaat und –öl. Allerdings werden die Preisrelationen der einzelnen Ölsaaten und der einzelnen Pflanzenöle sich verändern. Außerdem wird das Öl relativ teurer im Vergleich zum Schrot – eine Entwicklung, die dem Rapspreis zugutekommen wird.