Raps Markt 2019

Die europäischen Rapspreise sind laut OIL WORLD (ISTA Mielke GmbH, Hamburg) angesichts der zu erwartenden Angebotsverknappung derzeit unterbewertet. 

Neueste, offizielle Daten deuten darauf hin, dass die Erntefläche in Deutschland, Frankreich, der Tschechischen Republik und mehreren anderen Ländern noch niedriger ist als bisher angenommen. Auch die Erträge blieben angeblich hinter den Erwartungen zurück, was eine weitere Abwärtskorrektur unserer EU-Rapsanbauschätzung um 0,4 Mio. T auf 17,1 Mio. T (gegenüber 19,9 Mio. T im Jahr 2018) erforderlich machte.

Eine weitere Verschlechterung der EU-Versorgung spiegelt sich derzeit nicht in den Rapspreisen wider, da die nahen Futures auf der MATIF bis zum 15. August nur um 1-2% gestiegen sind. Hier sind die wichtigsten Auswirkungen dieser abweichenden Trends und Preisentwicklungen.  

Rapsanbau in den Hauptanbauländern in Mio. t
 Rapsanbau in den Hauptanbauländern in Mio. t

1.) Relativ niedrige Rapspreise und hohe Rapsölpreise haben zumindest in der Umgebung zu günstigen Verarbeitungsmargen geführt, was für die Rapszerkleinerung in der ersten Saisonhälfte gute Aussichten verspricht und den größten Teil der erforderlichen Nachfragerationierung auf Januar/Juni 2020 verschiebt.
2.) Kontrakte von Landwirten in der EU aufgrund enttäuschender Erträge und Preise werden teilweise durch Rekordeinfuhren von EU-Raps aus der Ukraine im Juli und August ausgeglichen. Der kombinierte Produktionsanstieg in den GUS-Ländern um 0,7 Mio. T in diesem Jahr reicht jedoch nicht aus, um den starken Rückgang um 2,8 Mio. t in der EU auszugleichen.
3.) Die Landwirte in der EU verlieren das Interesse am Rapsanbau. Ein weiteres kleines Winterrapsgebiet würde einen noch optimistischeren Preisausblick für die Saison 2020/2021 schaffen. Der jüngste Rückgang der Erträge und die anhaltende Trockenheit in wichtigen Rapsanbaugebieten, dürfte den Wiederanstieg der Winterrapsaussaat im Jahr 2019 begrenzen. In Deutschland deuten mehrere Marktbeobachter auf ein Risiko einer noch kleineren Fläche als die 0,9 Mio. ha, die 2019 bestellt wurden (die niedrigste Fläche seit mehr als 20 Jahren). Auch wenn das aktuelle Preisverhältnis von Raps zu Weizen den Rapsanbau zumindest aus historischer Sicht begünstigt, zögern Landwirte in ganz Europa Berichten zufolge, die Aussaat in diesem Jahr deutlich auszuweiten. Politische Änderungen der Pflanzenbau Richtlinien in der EU, vor allem das Verbot von Neonicotinoiden, sinkende Erträge und relativ niedrige Preise haben die Rentabilität pro Hektar in den letzten Jahren deutlich gedämpft.

 

Diese Faktoren deuten darauf hin, dass eine Umkehrung des derzeitigen Preistrends in der EU bevorsteht, um 1) die erforderliche Nachfrage zu erreichen, 2) den Verkauf von Landwirten wieder anzukurbeln und 3) einen Anreiz zur Aussaat zu schaffen. Die Rapsölpreise werden zusätzlich durch die voraussichtliche Verknappung der weltweiten Pflanzenölversorgung gestützt. Nach zwei Jahren Produktionsüberschüssen bei Palmöl wird erwartet, dass die Weltnachfrage die Produktion im Juli/Dezember 2019 und im Kalenderjahr 2020 übersteigt, was die Preise kurz- bis mittelfristig stützen wird.

 

Die Landwirte, die in diesem Jahr entgegen dem allgemeinen Trend die Winterrapsaussaatfläche ausweiten, dürften von den für 2020 und wahrscheinlich auch 2021 erwarteten hohen Preisen profitieren.

 

OIL WORLD (ISTA Mielke GmbH, Hamburg)