Aktuelle Marktentwicklung im Raps (August 2020)

In Deutschland sind die meisten Landwirte mit dem Ergebnis der diesjährigen Rapsernte zufrieden. Die Erträge lagen über den Erwartungen. Landesweit wurden 3,5 Mio. T produziert von 0,95 Mio. Ha (im Vorjahr nur 2,8 Mio. T von 0,86 Mio. Ha), was einen Durchschnittsertrag von 3,68 T/Ha ergibt, ein 5-Jahreshoch und 12% über Vorjahr. Während der Ernte waren die Rapspreise vergleichsweise hoch bei zum Teil 380-385 EUR/T.

In Deutschland haben viele Landwirte die Aussaat von Winterraps in den vergangenen Wochen ausgedehnt, möglicherweise steigt die Fläche dieses Jahr um 50-100 Tsd. Ha, zum Teil wegen der besser als erwarteten Ergebnisse der diesjährigen Ernte und zum Teil wegen Fruchtfolgeüberlegungen, nachdem in vielen Betrieben zwei- oder dreimal hintereinander Winterweizen gepflanzt worden war.

In anderen EU Ländern ist die Rapsproduktion in diesem Jahr zurückgegangen, insbesondere in Frankreich, Bulgarien, Rumänien und dem Vereinigten Königreich. Die Produktion in der Europäischen Union (einschl. dem Vereinigten Königreich) wird in diesem Jahr nur etwa 16,8-16,9 Mio. T betragen, im Vergleich zu 17,1 Mio. T im Vorjahr und das schlechteste Ergebnis in 14 Jahren.

Tägliche Raps & Canola Futures (US-$/T)
 Tägliche Raps & Canola Futures (US-$/T)

Die Rapspreise wurden in den letzten Wochen gestützt durch ein reduziertes Angebot in der Europäischen Union, steigende Importabhängigkeit und das nur begrenzte Angebot auf dem Weltmarkt. Preisprämien werden auch weiterhin nötig sein, um ausreichende Exportmengen aus der Ukraine und Kanada in die Europäische Union zu bringen.

Das Produktionsdefizit von Rapssaat in der Europäischen Union wird sich in dieser Saison weiter vergrößern und Importe von mindestens 6,2-6,3 Mio. T erfordern, im Vergleich zu 6,0 Mio. T in der vergangenen Saison und nur 3,9 Mio. T im Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre. In den neuesten Ölweltprognosen wird erwartet, dass 2,2-2,3 Mio. T Raps aus der Ukraine in die EU im Juli/Juni 2020/21 importiert werden. 2,0-2,1 Mio. T kommen voraussichtlich aus Kanada und 1,7-1,8 Mio. T aus Australien. Die Importmenge aus Kanada besteht fast vollständig aus genverändertem Canola. Das aus der Verarbeitung gewonnene Canolaöl kann nur in der Biodieselindustrie eingesetzt werden. Das Schrot muss mit Preisabschlägen verkauft werden.

In der Europäischen Union haben sich die Rapsölpreise im Monat August weiter erhöht. Wir erwarten auch in den nächsten Wochen größer als normale Preisprämien gegenüber Sonnenblumenöl und Sojaöl. Der Rapsölverbrauch für Biodiesel wird saisonal zunehmen und die Menge, die für den Nahrungsmittelbereich zur Verfügung steht möglicherweise zurückgehen. In Frankreich wird der Verbrauch von Rapsöl in der Biodieselindustrie durch Steuervorteile ab Anfang August begünstigt.

Weltmarkteinflüsse haben in den vergangenen Wochen zu der Preisfestigkeit von Rapssaat und Rapsöl beigetragen. Die weltweite Palmölproduktion ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben und als Folge sind die Vorräte gefallen und die Preise von Palmöl gestiegen. Auch Sojaöl hat preislich zugelegt aufgrund von trockenheitsbedingter Schäden der neuen US Ernte, kleinerer südamerikanischer Produktion und steigenden Käufen von Indien und China.

In den nächsten 1-3 Monaten ist mit zumindest leicht fallenden Palmölpreisen zu rechnen, wenn sich die Ölweltprognosen von steigender Produktion und Vorräten bewahrheiten. Dies könnte negative Auswirkungen auf Rapssaat- und –ölpreise in der Europäischen Union haben. Andere preisbestimmende Faktoren sind das Wetter und die Produktionserwartungen in Südamerika (insbesondere Sojabohnen) und in der Schwarzmeerregion (insbesondere Sonnenblumensaat) auf der einen Seite und die Höhe der Käufe von Pflanzenöl von Indien, China und anderen großen Importeuren auf der anderen Seite.

 

ISTA Mielke GmbH, OIL WORLD, Hamburg



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