Aktuelle Marktentwicklung im Raps (Feb. 2020)

Preise für Rapssaat in der EU werden in den kommenden Wochen und Monaten von einem zu erwartenden Anstieg der Notierungen von Pflanzenölen profitieren. Fundamentaldaten, die auf höhere Preise hindeuten, werden derzeit ignoriert. Stattdessen liegt der Fokus auf den vorübergehend schwachen indischen und chinesischen Importen sowie auf der allgemein zurückhaltenden Kaufbereitschaft der Verbraucher weltweit. Zweifellos haben das Coronavirus und seine Auswirkungen, vor allem in China, in den letzten fünf Wochen zu einem starken Preisverfall bei Pflanzenölen und anderen Rohstoffen beigetragen.

EU-28: Importe von Raps und Canola (1000 T)
 EU-28: Importe von Raps und Canola (1000 T)

Mit 3,7 Mn T übertrafen die EU Importe von Rapssaat das Vorjahresvolumen um 1,2 Mn T in Juli/Dez, wobei der größte Anstieg bei Ankünften aus der Ukraine und Kanada verzeichnet wurde. Eine höher als erwartete australische Rapsernte hat das Exportangebot für Jan/Jun 2020 etwas verbessert. Folglich haben wir unsere Schätzung der EU Importe aus Australien in 2019/20 auf 0,9 Mn T erhöht, was immer noch einem Rückgang von 0,5 Mn T gegenüber dem Vorjahr entspricht.

EU-Rapsimporte werden in dieser Saison auf einen neuen Höchststand von 5,5 Mn T steigen (gegenüber 4,3 Mn T in 2018/19). Aktuelle OIL WORLD Schätzungen gehen davon aus, dass Rekordankünfte aus der Ukraine und Kanada den Rückgang der Importe aus Australien mehr als ausgleichen werden.

Hohe Preise haben zu einem starken Anstieg die EU Importe von Rapsöl in Okt/Dez 2019 auf ein 8-Jahres-Hoch von etwa 120 Thd T geführt, was einem Anstieg von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Die EU Rapsölimporte stiegen im Jan/Dez 2019 um 18%, während die Exporte weiter um 4% zurückgingen. Rückläufige Saat Importe werden die Verarbeitung in der EU im Jan/Jun 2020 stark reduzieren und die Versorgungsengpässe bei Rapsöl verschärfen. Hinzu kommen saisonbedingt rückläufige Rapsölexporte aus der Schwarzmeer Region und eine weiter hohe chinesische Importnachfrage.

Die Preise für Rapssaat werden auch durch den anhaltenden Handelskonflikt zwischen China und Kanada gestützt. Die momentan knappe Versorgunglage in China, führte in den zwei Woche zum 21. Februar zu chinesischen Käufen von etwa 40 Thd T Rapsöl in der EU. Da die für die letzte Februarwoche geplanten Handelsgespräche zwischen Kanada und China aufgrund des Coronavirus verschoben wurden, bleibt es abzuwarten ob eine Einigung erzielt wird. Darüber hinaus ist die kanadische Logistik derzeit durch weit verbreitete Blockaden, die den Transport von Raps nach Vancouver beinträchtigen und den Export verzögern, gestört. Die chinesischen Rapsimporte dürften im Juli/Juni 2019/20 um etwa 40% auf 2,6 Mn T sinken.       

 

 

OIL WORLD (ISTA Mielke GmbH, Hamburg)