Aktuelle Marktentwicklung im Raps

ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, 21077 Hamburg, Langenberg 25,  Tel: 040 761050-10  david.mielke@oilworld.de Internet: www.oilworld.de

Die sich abzeichnende deutliche Erholung der Weltproduktion wird in den kommenden Wochen und Monaten Druck auf die Rapspreise ausüben. Anfang Juni wurden die Preise für die kommende Vermarktungsperiode in Europa und Kanada immer noch durch eine wetterbedingte Risikoprämie und Unsicherheit hinsichtlich der tatsächlichen Erntegröße und der Exportlogistik in der Ukraine gestützt.

Die europäischen Rapspreise in Paris (Nov-Position) sind bereits unter Druck geraten. Es besteht jedoch ein wesentlich größeres Abwärtsrisiko – aus der Perspektive eines Landwirts oder eines Händlers, der eine "Cash-Long-Position" hält – in den kommenden Wochen, wenn der Markt versuchen wird, ein neues Gleichgewicht zu finden.

Eine ausgeprägte Erholung der Weltproduktion von Raps zeichnet sich 2022/23 ab – unter Annahme normaler Wetterbedingungen. Dies steht im Gegensatz zur Knappheit in der letzten Saison, die die Preise in den letzten 12 Monaten auf ein beispielloses Niveau getrieben hat. Die Situation ist jedoch sehr komplex mit einem hohen Maß an Unsicherheit sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite verbunden. Dies wird zu volatilen Marktbedingungen führen.

Aktuelle OIL WORLD Schätzungen prognostizieren einen Anstieg der Weltproduktion von Raps auf einen neuen Höchststand von 72,7 Mio. t in 2022/23, was eine Erholung von 7,5 bis 7,6 Mio. t gegenüber dem dürrereduzierten Niveau des letzten Jahres impliziert. Der mit Abstand größte Produktionsanstieg wird in Kanada erwartet, gefolgt von der EU-27, den USA und dem Vereinigten Königreich, was die erwarteten Rückgänge in der Ukraine, Australien und einigen anderen Ländern mehr als ausgleicht.

Die Produktionsaussichten für kanadischen Raps sind derzeit sehr ungewiss, nachdem die widrigen Wetterbedingungen den Beginn der Frühjahrsaussaat im Mai 2022 stark verzögert haben. In den letzten Wochen wurden in den wichtigsten Regionen signifikante Wetteranomalien registriert, mit Trockenheit in Teilen von Alberta und im Nordwesten von Saskatchewan und stark überdurchschnittlichen Niederschlägen und Überschwemmungen in Manitoba und den südöstlichen Teilen von Saskatchewan. Die Auswirkungen auf die tatsächliche Aussaat werden derzeit diskutiert. Die meisten Beobachter argumentieren, dass eine verzögerte Aussaat von Sojabohnen, Mais und anderen Kulturen zu Flächenverschiebungen zugunsten von Raps führen kann.

Für die diesjährige ukrainische Rapsernte gibt es ebenfalls eine weite Spanne von Schätzungen. OIL WORLD prognostiziert eine Ernte von ca. 2,6 Mio. t (minus 0,5 Mio. t) von einer Fläche von 1,2 Mio. ha, was einen Rückgang des durchschnittlichen Ertrags um fast 25% impliziert. Eine geringere Inlandsproduktion wird die ukrainischen Exporte von Raps und Produkten entsprechend reduzieren.

Aktuelle Schätzungen gehen von einer Erholung des Welthandels mit Raps um ca. 1,7-1,8 Mio. T im Juli/Juni 2022/23 aus, wobei deutlich höhere kanadische Rapsexporte nach China das Hauptmerkmal sind. Dies steht im Gegensatz zu dem voraussichtlichen starken Rückgang der ukrainischen Rapsexporte um 0,5-0,6 Mio. t in der nächsten Saison.                

Niedrigere ukrainische Exporte werden einen größeren Teil des europäischen Importbedarfs nach Australien und Kanada verlagern. Wir prognostizieren einen Anstieg der EU-Rapsimporte auf 5,9-6,0 Mio. t im Juli/Juni 2022/23 (gegenüber 5,7 Mio. t im Vorjahr), da davon ausgegangen wird, dass größere Ernten die Preise in den Exportländern unter Druck setzen werden, was den Abschlag gegenüber den europäischen Preisen ausweiten wird.  

Eine höhere europäische Produktion und weiter steigende Importen lassen das Angebot bzw. die Verfügbarkeit von Raps in der EU 2022/23 auf ein Fünfjahreshoch von rund 25,3 Mio. t steigen, was einen Anstieg der Verarbeitung auf schätzungsweise 23,3 Mio. t ermöglicht. Wir gehen auch davon aus, dass sich die Vorräte in der EU erholen werden, wobei die Vermarktungspolitik der Landwirte und das Ausmaß des Preisrückgangs in der zweiten Saisonhälfte die wichtigsten Faktoren sind, die es zu beobachten gilt. 

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