Aktuelle Marktentwicklung im Raps (November 2021)

Wie lange hält der hohe Rapspreis und von welchen Faktoren hängt er ab?

Die Preise für Rapssaat und Rapsöl erreichten Anfang November neue Höchststände. Pflanzenölpreise im Allgemeinen sind zurzeit etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der 5 Jahre 2015-2019. Es gibt eine Reihe von Gründen, die vermuten lassen, dass die Preise in der zweiten Hälfte dieser Saison zurückgehen werden. Landwirte sollten überlegen das momentane neu-erntige Preisniveau für Vorverkäufe zu nutzen.

Die Rapssaatproduktion in der Europäischen Union ist weiterhin defizitär trotz einer leichten Erhöhung der diesjährigen Ernte auf 17,4 Mio. To (im Vergleich zu 17,0 im Vorjahr). Die rückläufige Produktion seit 2015 hat dazu geführt, dass 25-30% des Bedarfs in der Europäischen Union in den vergangenen zwei Jahren importiert werden mussten. Die tatsächlichen Rapsimporte lagen in der vergangenen Saison bei 6,7 Mio. To. Vor allem haben die Produzenten in der Ukraine, Australien und Kanada davon profitiert. Es gibt jetzt auch verstärkt Bemühungen in Südamerika, die Rapsproduktion auszudehnen. In der Saison 2021/22 muss das Importvolumen von Rapssaat in der Europäischen Union wahrscheinlich auf 5,2-5,4 Mio. To reduziert werden aufgrund der knappen weltweiten Versorgungslage. Das wird zu einem Rückgang der Rapsverarbeitung in der EU-27 um ca. 1 Mio. To führen und das Angebot an Rapsöl entsprechend reduzieren.

Weltweit werden nur etwa 62 Mio. To Raps und Canola in der Saison 2021/22 produziert, ein 13-Jahrestief. In Kanada gab es in diesem Jahr trockenheitsbedingte Verluste von ca. 7 Mio. To. Etwa ein Drittel der Ernte ging verloren. Eine Katastrophe! Relativ kleine Ernten wurden auch in den USA und in China produziert. Etwas Erleichterung gibt es jetzt auf dem Weltmarkt durch größere australische Exporte aufgrund einer Rekordernte von mindestens 5,4 Mio. To.

Nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch weltweit ist das Angebot von Rapssaat und Rapsöl außerordentlich knapp. Die Notwendigkeit den Verbrauch einzuschränken hat zu sehr hohen Preisprämien gegenüber anderen Pflanzenölen geführt. Diese hohen Prämien werden voraussichtlich noch einige Zeit bestehen bleiben. Allerdings wird Rapsöl den voraussichtlichen Preisrückgängen anderer Öle in den kommenden Wochen und Monaten folgen, obwohl nur zögerlich. Die Prämien werden allerdings zunächst bleiben.

Obwohl die weltweite Rapslage bis zum 2. Quartal 2022 eng bleiben wird, ist damit zu rechnen, dass die Preise für Rapssaat und Rapsöl durch fallende Preise anderer Pflanzenöle und Ölsaaten unter Druck geraten. Dazu möchte ich folgende zusätzliche Erklärungen geben:

1) Die Konsumenten haben weltweit bereits auf die hohen Preise für Pflanzenöle reagiert. Insbesondere in vielen Entwicklungsländern ist der Pro-Kopf-Verbrauch eingeschränkt worden. Zusätzlich gab es im Biodieselbereich einige preisbedingte Kürzungen bei der Produktion und der Beimischung, zum Teil in Brasilien, aber auch in der Europäischen Union, den USA, in Indonesien und Malaysia. Dadurch hat sich die weltweite Nachfrage nach Pflanzenölen abgeschwächt.

2) Die Landwirte haben auf die hohen Preise durch Ausdehnung der Produktion reagiert. Weltweit ist die Anbaufläche für alle Ölsaaten in diesem Jahr um 9 Mio. ha gestiegen. Neueste OIL WORLD Schätzungen gehen von einem Anstieg der Weltproduktion von  Ölsaaten um 25 Mio. To auf 611 Mio. To in 2021/22 aus.

3) Die Ölsaatenproduktion wird die Nachfrage übersteigen. Vorräte bauen sich auf. Die neue südamerikanische Sojabohnenernte wird aller Voraussicht nach Anfang 2022 ein neues Rekordniveau erreichen. Allerdings gibt es, wie immer, Unsicherheiten im Bezug auf das Wetter in den nächsten Wochen.

4) Trotz verbesserter Versorgungslage sind die Pflanzenölpreise im Oktober und in der ersten Novemberhälfte ungewöhnlich hoch geblieben. Die allgemeine Stimmung im Markt ist weiterhin auf Knappheit und enge Versorgungslage fokussiert. Viele Landwirte haben bisher nur sehr zögerlich verkauft. Das gilt insbesondere in Argentinien, in der Schwarzmeerregion (insbesondere in Russland), in Westeuropa, Indien und anderen Ländern.

5) Die Verarbeitung von Ölsaaten wird im September, Oktober und November zusammengenommen bestenfalls auf Vorjahreshöhe stagnieren. Die Verarbeitung von Sojabohnen und Sonnenblumensaat wird sogar zurückgehen. Das erklärt die relative kleine Produktion und die hohen Preise von Pflanzenölen in den vergangenen Wochen.

6) Diese Situation wird aber nicht anhalten. Im Gegenteil. Hohe Ölsaatenvorräte Anfang 2022, eine nahende Rekordernte in Südamerika, eine Verbesserung der Palmölproduktion, die Aussichten einer verbesserten weltweiten Versorgungslage von Rapssaat ab Mitte nächsten Jahres und die wahrscheinlich wachsende Angst vor Preisrückgängen, wird in den nächsten 3-6 Monaten zu einem verstärkten Verkaufsdruck seitens der Landwirte und zu fallenden Preisen führen.

7) Preisführer in einem fallenden Markt könnte Sonnenblumenöl werden. Nach einem Rückgang in Sept/Dez 2021 gegenüber dem Vorjahr, wird die weltweite Verarbeitung von Sonnenblumensaat in Jan/Aug 2022 wahrscheinlich erheblich um ca. 5,5-6,0 Mio. To steigen. Dadurch wird die Sonnenblumenölproduktion und das Exportangebot außerordentlich stark steigen. Auch bei Sojabohnen rechnen wir mit einem Anstieg der Verarbeitung um ca. 8 Mio. To gegenüber dem Vorjahr in den ersten 8 Monaten des Jahres 2022, bedingt durch steigenden Sojaschrotverbrauch.

8) Für die 4 wichtigsten Pflanzenöle erwarten wir einen Anstieg der weltweiten Produktion um zusammengenommen ca. 6,5 Mio. To. Produktionsanstiege von Palmöl, Sonnenblumenöl und Sojaöl werden den zu erwartenden Rückgang bei der Rapsölproduktion mehr als ausgleichen. Die Vorräte aller Öle und Fette werden in 2021/22 um ca. 1-2 Mio. To steigen und die Preise von Pflanzenölen zurückgehen.

9) Rapssaat und Rapsöl können sich einer solchen Sogwirkung fallender Pflanzenölpreise nicht entziehen. Allerdings sind Prognosen zum Timing und zum Ausmaß des Preisrückgangs mit großen Risiken verbunden.

10) Die Landwirte in Deutschland und anderen EU-Ländern sollten die augenblicklich noch hohen Rapspreise nutzen und Verkäufe tätigen. An der Matif quotierte Raps bei EUR 587 pro Tonne für August 2022. Das ist ein vergleichsweiser sehr hoher Preis. In Anbetracht der vielen Unsicherheiten und dem wahrscheinlichen Preisrückgang der wichtigen Pflanzenöle erscheint es mir empfehlenswert schon jetzt einen relativ hohen Anteil der eigenen zu erwartenden Ernte zu verkaufen, vielleicht 25-35%.

Wenn Sie weitere Informationen zu dem Rapsmarkt oder zu den Märkten für andere Ölsaaten, Pflanzenöle und/oder Ölkuchen benötigen, dann wenden Sie sich gern an mich. Unter www.oilworld.de finden Sie weitere Informationen.

 

ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, Hamburg